Die Welt ist ver(w)irrt: Eine Momentaufnahme aus der Sicht von Tobias Zirpel

20. Juni 2020

Marvin

In der Kategorie Meinungsbilder lassen wir externe Autoren zu Wort kommen; zu Themen, die sie bewegen. Heute Tobias Zirpel.

Wer jetzt erwartet, dass hier ein wissenschaftliches Exposé niedergeschrieben wird, den muss ich direkt zu Anfang enttäuschen. Dafür haben wir unsere Experten – mehr oder weniger. Auch jenen Verschwörungstheoretikern, die vielleicht auf diesen Text stoßen, muss ich enttäuschen. Eure Welt ist eine andere, diese hier ist meine. Wer also die ersten zwei Sätze bisher gelesen hat und sich im Stande fühlt, weiterzulesen, dem gratuliere ich. Welcome to my statement.

In der Kategorie Meinungsbilder lassen wir externe Autoren zu Wort kommen; zu Themen, die sie bewegen. Heute Tobias Zirpel.

Wer jetzt erwartet, dass hier ein wissenschaftliches Exposé niedergeschrieben wird, den muss ich direkt zu Anfang enttäuschen. Dafür haben wir unsere Experten – mehr oder weniger. Auch jenen Verschwörungstheoretikern, die vielleicht auf diesen Text stoßen, muss ich enttäuschen. Eure Welt ist eine andere, diese hier ist meine. Wer also die ersten zwei Sätze bisher gelesen hat und sich im Stande fühlt, weiterzulesen, dem gratuliere ich. Welcome to my statement.

Covid-19 lässt die Welt Kopf stehen

Covid-19 lässt die Welt Kopf stehen

Als am 27.Januar 2020 der erste Covid-19 Fall in Deutschland bekannt wurde, war man sich der Auswirkungen bis dato nicht wirklich bewusst. „Wird schon nicht so schlimm sein“, „Ist doch alles halb so wild“ – das sind nur ein paar Äußerungen, die wir wohl fast alle gedacht und auch ausgesprochen haben. Ertappt gefühlt? Ich zähle mich dazu. Und warum? Ganz einfach: Schiere Unwissenheit. Dummheit zu schreiben wäre zu provokant und zu negativ behaftet. Denn Dummheit definiert ja jeder anders und da wollen wir niemandem zu nah treten. Also bleiben wir bei dem Begriff der Unwissenheit.  Diese Unwissenheit zieht sich gefühlt durch die ganze Krise; wie der berühmte rote Faden, den eine Geschichte braucht; den hier hätte man sich eher nicht gewünscht.

Egal wer sich über Covid-19 äußerte, man wusste es besser, hatte die tollsten Ideen und die besten Statistiken und das Ende vom Lied waren plötzlich circa 185.000 Infizierte bundesweit. In anderen Ländern gab es mehr oder weniger, aber die Frage nach dem Ganzen bleibt nach wie vor offen.

Als am 27.Januar 2020 der erste Covid-19 Fall in Deutschland bekannt wurde, war man sich der Auswirkungen bis dato nicht wirklich bewusst. „Wird schon nicht so schlimm sein“, „Ist doch alles halb so wild“ – das sind nur ein paar Äußerungen, die wir wohl fast alle gedacht und auch ausgesprochen haben. Ertappt gefühlt? Ich zähle mich dazu. Und warum? Ganz einfach: Schiere Unwissenheit. Dummheit zu schreiben wäre zu provokant und zu negativ behaftet. Denn Dummheit definiert ja jeder anders und da wollen wir niemandem zu nah treten. Also bleiben wir bei dem Begriff der Unwissenheit.  Diese Unwissenheit zieht sich gefühlt durch die ganze Krise; wie der berühmte rote Faden, den eine Geschichte braucht; den hier hätte man sich eher nicht gewünscht.

Egal wer sich über Covid-19 äußerte, man wusste es besser, hatte die tollsten Ideen und die besten Statistiken und das Ende vom Lied waren plötzlich circa 185.000 Infizierte bundesweit. In anderen Ländern gab es mehr oder weniger, aber die Frage nach dem Ganzen bleibt nach wie vor offen.

Vorstellung: Tobias Zirpel ist Sales Manager bei Orascom Hotel Management und ein bekanntes Gesicht im Tourismus. 17 Jahre nennt er die Branche sein Zuhause. Abitur, eine Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann, unterschiedliche Stationen vom Counter über ein Onlineportal bis hin zur Büroleitung liegen hinter ihm.

Vorstellung: Tobias Zirpel ist Sales Manager bei Orascom Hotel Management und ein bekanntes Gesicht im Tourismus. 17 Jahre nennt er die Branche sein Zuhause. Abitur, eine Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann, unterschiedliche Stationen vom Counter über ein Onlineportal bis hin zur Büroleitung liegen hinter ihm.

Denn hätten wir es gewusst, hätten wir bestimmt vorher schon etwas unternommen, oder etwa nicht? Die aktuelle Situation hat uns alle vor allem an eines schmerzlich erinnert: Wir sind nur ganz kleine Individuen, die nach Höherem streben, aber oft auf die Nase – vielleicht auch Schnauze – fallen müssen, damit wir zurück in die Realität finden. Missgunst, Kriege, Anschläge, Rücksichtslosigkeit und Neid – alles Beigaben des 21. Jahrhunderts und Nebenwirkungen der Schnelllebigkeit, in der wir uns zur aktuellen Stunde befinden. Soll es ein Denkzettel von Mutter Natur sein? Ich könnte es verstehen, denn wenn ich einen Gast zuhause hätte, der mir mein Heim derart misshandelt, ich würde ihn rausschmeißen. Hochkant.

Seitdem ich zuhause bin, komme ich mir vor, als wäre ich einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Ungefähr so müssen sich die James Bonds der Welt fühlen, die irgendwo auf der Welt für Weltfrieden sorgen dürfen oder müssen. Es gibt nichts anderes mehr. Überall wird über Covid-19 gesprochen. Mittlerweile ist man über jede neue Schlagzeile froh, die nichts mit dem Virus zu tun hat. Wie makaber. Was ist mit all den anderen wichtigen Themen dieser Welt, wie die anhaltende Flüchtlingskrise oder die große und wichtige Klimadebatte? Gibt es das alles nicht mehr? Wer klärt mich auf?

Covid-19 ist tödlich für den Menschen und Wirtschaft. Punkt. Da sind wir uns wohl alle einig. Es wäre ja töricht zu glauben, dass wenn die halbe Menschheit krank ist, es sich nicht auch auf die Wirtschaft auswirkt. Dies spüren wir ja alle gerade leidlich. Ob Kurzarbeit, Schulausfall, gestrichene Events –  die Liste ist lang. Finanziell gesehen trifft der Virus die Millionenschweren weit weniger, als die Normalverdiener des Mittelstandes, der aktuell mit am meisten betroffen ist. Nur verstehen und mitfühlen kann irgendwie keiner. Der Mittelstand leidet? Maßlos. Existenzen, Familien und Träume zerplatzen, wie eine wunderschöne Seifenblase, die man vorschnell mit dem Zeigefinger berührt.

Denn hätten wir es gewusst, hätten wir bestimmt vorher schon etwas unternommen, oder etwa nicht? Die aktuelle Situation hat uns alle vor allem an eines schmerzlich erinnert: Wir sind nur ganz kleine Individuen, die nach Höherem streben, aber oft auf die Nase – vielleicht auch Schnauze – fallen müssen, damit wir zurück in die Realität finden. Missgunst, Kriege, Anschläge, Rücksichtslosigkeit und Neid – alles Beigaben des 21. Jahrhunderts und Nebenwirkungen der Schnelllebigkeit, in der wir uns zur aktuellen Stunde befinden. Soll es ein Denkzettel von Mutter Natur sein? Ich könnte es verstehen, denn wenn ich einen Gast zuhause hätte, der mir mein Heim derart misshandelt, ich würde ihn rausschmeißen. Hochkant.

Seitdem ich zuhause bin, komme ich mir vor, als wäre ich einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Ungefähr so müssen sich die James Bonds der Welt fühlen, die irgendwo auf der Welt für Weltfrieden sorgen dürfen oder müssen. Es gibt nichts anderes mehr. Überall wird über Covid-19 gesprochen. Mittlerweile ist man über jede neue Schlagzeile froh, die nichts mit dem Virus zu tun hat. Wie makaber. Was ist mit all den anderen wichtigen Themen dieser Welt, wie die anhaltende Flüchtlingskrise oder die große und wichtige Klimadebatte? Gibt es das alles nicht mehr? Wer klärt mich auf?

Covid-19 ist tödlich für den Menschen und Wirtschaft. Punkt. Da sind wir uns wohl alle einig. Es wäre ja töricht zu glauben, dass wenn die halbe Menschheit krank ist, es sich nicht auch auf die Wirtschaft auswirkt. Dies spüren wir ja alle gerade leidlich. Ob Kurzarbeit, Schulausfall, gestrichene Events –  die Liste ist lang. Finanziell gesehen trifft der Virus die Millionenschweren weit weniger, als die Normalverdiener des Mittelstandes, der aktuell mit am meisten betroffen ist. Nur verstehen und mitfühlen kann irgendwie keiner. Der Mittelstand leidet? Maßlos. Existenzen, Familien und Träume zerplatzen, wie eine wunderschöne Seifenblase, die man vorschnell mit dem Zeigefinger berührt.

Die Reisebranche in der Misere

Die Reisebranche in der Misere

Millionen Betriebe müssen sich teils neu verschulden, obwohl sie unverschuldet in dieser Misere gelandet sind –  oder gehen eben direkt in die Insolvenz.  Am Beispiel Lufthansa, einem ehemals hochdotierten DAX-Unternehmen, sieht man, wie schnell es mit einem Zugpferd an der Börse vorbei sein kann. Wer hinter Rang 45 liegt, fliegt raus. Fliegen ist normalerweise schön, in diesem Fall wohl kaum. Wie Olaf Scholz in einem Spiegel-Interview zu den Wirtschaftsstabilisierungsfonds vom 26.03.2020 sagte: „Wenn sich die Lage normalisiert hat, wollen wir sie wieder verkaufen. Wir setzen darauf, dass die wirtschaftliche Belebung so groß ist, dass wir sie teilweise mit Gewinn verkaufen.“

Diese Aussage kann man jetzt deuten und bewerten, wie man möchte und jeder ist frei in seiner Interpretation. Da hilft dann auch kein Peter Zwegat, der aus den Schulden hilft. Ein leerer Geldbeutel ist und bleibt ein leerer Geldbeutel. Die Lufthansa ist hierbei nur ein Beispiel. TUI mit 1,8 Milliarden Euro Staatshilfe ist ein weiteres Beispiel dafür, dass auch der „schönste Hengst im Stall“ einen Schönheitsfehler aufweisen kann. So sagte Marek Andryszak in der HAZ vom 31.12.2019 noch zur Thomas Cook Pleite: „Die TUI ist ein kerngesundes Unternehmen.“ Die Pleite des Wettbewerbers Thomas Cook sei ein „Spezialfall“. Wer in Physik aufgepasst hat, weiß, Hitze steigt ja bekanntlich nach oben. Provokant. Das lasse ich so stehen und wünsche an dieser Stelle allen 8.000 Angestellten alles Gute. Würde man sich weiter hierzu äußern, vor allem subjektiv, wäre ein Shitstorm die eventuelle Folge. Das wollen wir bitte nicht. Ist eh schon alles schlimm genug.

Kommen wir zum „kleinen“ Reisebüro um die Ecke: Urlaubsträume, Expertentipps und vieles mee(h)r – dafür steht der stationäre Vertrieb normalerweise. Ich weiß und ich bin mir bewusst, andere Betriebe und Branchen leiden ebenfalls, was also unterscheidet die Reisebranche vom Friseur oder der Bar um die Ecke? Der Unterschied liegt klar im wie, nämlich darin, wie Reisebüros Geld verdienen. Während alle anderen Berufszweige ihr Geld direkt verdienen, kann ein Reisebüro erst dann aufatmen, wenn der Kunde im Hotel angereist ist – rechtlich gesehen klingelt es nämlich erst dann in der Kasse. Ein Reisebüro arbeitet bis zur Abreise des Kunden völlig umsonst, mit dem Ausblick auf eine Provision des Veranstalters, die meist erst mit der Anreise gezahlt wird. Erste Nuancen eines Umdenkens scheinen nun zum Glück bei den noch vorhandenen Reiseveranstaltern erkennbar. Die aktuelle Situation verpflichtet die Reisebüros nun allerdings, ihre teilweise erhaltenen Provisionen auch noch zurückzuzahlen. Wir sprechen hier ganz klar von Geld, was zusätzlich zu den Einbußen der Wirtschaftskrise in der Kasse fehlt.

Millionen Betriebe müssen sich teils neu verschulden, obwohl sie unverschuldet in dieser Misere gelandet sind –  oder gehen eben direkt in die Insolvenz.  Am Beispiel Lufthansa, einem ehemals hochdotierten DAX-Unternehmen, sieht man, wie schnell es mit einem Zugpferd an der Börse vorbei sein kann. Wer hinter Rang 45 liegt, fliegt raus. Fliegen ist normalerweise schön, in diesem Fall wohl kaum. Wie Olaf Scholz in einem Spiegel-Interview zu den Wirtschaftsstabilisierungsfonds vom 26.03.2020 sagte: „Wenn sich die Lage normalisiert hat, wollen wir sie wieder verkaufen. Wir setzen darauf, dass die wirtschaftliche Belebung so groß ist, dass wir sie teilweise mit Gewinn verkaufen.“

Diese Aussage kann man jetzt deuten und bewerten, wie man möchte und jeder ist frei in seiner Interpretation. Da hilft dann auch kein Peter Zwegat, der aus den Schulden hilft. Ein leerer Geldbeutel ist und bleibt ein leerer Geldbeutel. Die Lufthansa ist hierbei nur ein Beispiel. TUI mit 1,8 Milliarden Euro Staatshilfe ist ein weiteres Beispiel dafür, dass auch der „schönste Hengst im Stall“ einen Schönheitsfehler aufweisen kann. So sagte Marek Andryszak in der HAZ vom 31.12.2019 noch zur Thomas Cook Pleite: „Die TUI ist ein kerngesundes Unternehmen.“ Die Pleite des Wettbewerbers Thomas Cook sei ein „Spezialfall“. Wer in Physik aufgepasst hat, weiß, Hitze steigt ja bekanntlich nach oben. Provokant. Das lasse ich so stehen und wünsche an dieser Stelle allen 8.000 Angestellten alles Gute. Würde man sich weiter hierzu äußern, vor allem subjektiv, wäre ein Shitstorm die eventuelle Folge. Das wollen wir bitte nicht. Ist eh schon alles schlimm genug.

Kommen wir zum „kleinen“ Reisebüro um die Ecke: Urlaubsträume, Expertentipps und vieles mee(h)r – dafür steht der stationäre Vertrieb normalerweise. Ich weiß und ich bin mir bewusst, andere Betriebe und Branchen leiden ebenfalls, was also unterscheidet die Reisebranche vom Friseur oder der Bar um die Ecke? Der Unterschied liegt klar im wie, nämlich darin, wie Reisebüros Geld verdienen. Während alle anderen Berufszweige ihr Geld direkt verdienen, kann ein Reisebüro erst dann aufatmen, wenn der Kunde im Hotel angereist ist – rechtlich gesehen klingelt es nämlich erst dann in der Kasse. Ein Reisebüro arbeitet bis zur Abreise des Kunden völlig umsonst, mit dem Ausblick auf eine Provision des Veranstalters, die meist erst mit der Anreise gezahlt wird. Erste Nuancen eines Umdenkens scheinen nun zum Glück bei den noch vorhandenen Reiseveranstaltern erkennbar. Die aktuelle Situation verpflichtet die Reisebüros nun allerdings, ihre teilweise erhaltenen Provisionen auch noch zurückzuzahlen. Wir sprechen hier ganz klar von Geld, was zusätzlich zu den Einbußen der Wirtschaftskrise in der Kasse fehlt.

Und warum ist das so? Das unangenehme Wörtchen Unwissenheit, hier ist es wieder. Denn hätte man dieses Geschäftsmodell schon vor Jahren geändert, wie viele es fordern, wäre es vielleicht nicht so gekommen, wie es durch die Covid-Krise gekommen ist. Hätte, hätte bringt die Branche nur leider nicht weiter. Auf Regen folgt ja bekanntlich Sonnenschein. Ein Umdenken muss her, nicht in ein paar Wochen, Monaten oder Jahren, sondern jetzt gleich. Lang genug hat man sich auf den Lorbeeren goldener Zeiten ausgeruht. Die Branche hat in den Jahren gefühlt nichts dazugelernt. Ein Wetteifern der Veranstalter, wer bietet das schönste Provisionsmodell, wer hat die schönste eigene Hotelmarke und den hochwertigsten Katalog. Und was hat es gebracht? Gefühlt in der aktuellen Situation? Gar nichts. Natürlich, Arbeitsplätze wurden geschaffen, freies Land zu mehr oder weniger hübschen Hotels umgebaut. Hier kann man sich jetzt streiten, ob die Gangart im Tourismus gut oder schlecht ist – ein Für und Wider gibt es immer.

Man liest meinen Text hier oder hat bereits abgebrochen, wobei dann würdet ihr diesen Satz nicht mehr lesen. Hoffe ich also ;-). An dieser Stelle eine kleine Entschuldigung, aber ich wurde gebeten, ruhig kritisch zu sein, niemandem nach dem Mund zu reden. Wieso gerade ich meine, das Ganze beurteilen zu können? Ich selbst arbeite seit über 17 Jahren in der Reisebranche und seit gut 3 Jahren im Außendienst, betreue deutschlandweit liebevolle Reisebüros und die Menschen dahinter und sitze seit Anfang März zuhause, weil Corona die Welt hat stillstehen lassen.

Es ist nur traurig, was hier passiert. Seit Wochen lässt man meine lieben Kolleginnen und Kollegen hängen, niemand weiß so richtig was als nächstes passieren wird. Erst dank mehrerer Demonstrationen deutschlandweit und ordentlich Presseberichten wurde die Politik langsam und mühselig auf die Reisebranche aufmerksam. Die Reaktion und der Status der Politik bei den ersten Gesprächen? Unwissenheit. Da ist sie wieder – ich hatte versprochen, der berühmte rote Faden. Thomas Bareiß, Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus, wusste bis vor Kurzem nicht mal, wie die Reisebürobranche funktioniert. Ab und an kommt mir die Politik wie ein ungeordneter Wühltisch vor. Ein Überangebot von Posten, die besetzt werden müssen und wer zu langsam ist, muss halt den Posten nehmen, der noch frei ist. Egal ob die Größe passt oder nicht, Hauptsache man hat das „Ding“ nach Hause gebracht.

Und warum ist das so? Das unangenehme Wörtchen Unwissenheit, hier ist es wieder. Denn hätte man dieses Geschäftsmodell schon vor Jahren geändert, wie viele es fordern, wäre es vielleicht nicht so gekommen, wie es durch die Covid-Krise gekommen ist. Hätte, hätte bringt die Branche nur leider nicht weiter. Auf Regen folgt ja bekanntlich Sonnenschein. Ein Umdenken muss her, nicht in ein paar Wochen, Monaten oder Jahren, sondern jetzt gleich. Lang genug hat man sich auf den Lorbeeren goldener Zeiten ausgeruht. Die Branche hat in den Jahren gefühlt nichts dazugelernt. Ein Wetteifern der Veranstalter, wer bietet das schönste Provisionsmodell, wer hat die schönste eigene Hotelmarke und den hochwertigsten Katalog. Und was hat es gebracht? Gefühlt in der aktuellen Situation? Gar nichts. Natürlich, Arbeitsplätze wurden geschaffen, freies Land zu mehr oder weniger hübschen Hotels umgebaut. Hier kann man sich jetzt streiten, ob die Gangart im Tourismus gut oder schlecht ist – ein Für und Wider gibt es immer.

Man liest meinen Text hier oder hat bereits abgebrochen, wobei dann würdet ihr diesen Satz nicht mehr lesen. Hoffe ich also ;-). An dieser Stelle eine kleine Entschuldigung, aber ich wurde gebeten, ruhig kritisch zu sein, niemandem nach dem Mund zu reden. Wieso gerade ich meine, das Ganze beurteilen zu können? Ich selbst arbeite seit über 17 Jahren in der Reisebranche und seit gut 3 Jahren im Außendienst, betreue deutschlandweit liebevolle Reisebüros und die Menschen dahinter und sitze seit Anfang März zuhause, weil Corona die Welt hat stillstehen lassen.

Es ist nur traurig, was hier passiert. Seit Wochen lässt man meine lieben Kolleginnen und Kollegen hängen, niemand weiß so richtig was als nächstes passieren wird. Erst dank mehrerer Demonstrationen deutschlandweit und ordentlich Presseberichten wurde die Politik langsam und mühselig auf die Reisebranche aufmerksam. Die Reaktion und der Status der Politik bei den ersten Gesprächen? Unwissenheit. Da ist sie wieder – ich hatte versprochen, der berühmte rote Faden. Thomas Bareiß, Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus, wusste bis vor Kurzem nicht mal, wie die Reisebürobranche funktioniert. Ab und an kommt mir die Politik wie ein ungeordneter Wühltisch vor. Ein Überangebot von Posten, die besetzt werden müssen und wer zu langsam ist, muss halt den Posten nehmen, der noch frei ist. Egal ob die Größe passt oder nicht, Hauptsache man hat das „Ding“ nach Hause gebracht.

Reisen heute: Was muss sich ändern?

Reisen heute: Was muss sich ändern?

Ähnlich ist es auch mit den Reisen während der letzten Jahre geworden – reine Wühltischware. Nur um das Reisen für jedermann attraktiv zu machen. Keine Grenzen aufgrund von Kosten zu setzen.

Zu was aber hat das geführt? Zu Niedriglöhnen in den Zielgebieten, zu einem Aussterben von Geschäften vor Ort, zu Hauptsache billig.  Und warum? Nehmen wir das von den deutschen Gästen favorisierte All inclusive Konzept als Beispiel. Ein Konzept, um die Leute schön im Hotel festzuhalten, damit sie hier ihren Umsatz machen und nicht außerhalb. Das freut den Hotelier/Veranstalter, aber nicht die Geschäfte drum herum.  Führen wir das fort am Beispiel El Gouna/Ägypten.

Der echte Reiseprofi berät seine Kunden, wie schön es vor Ort ist, dass es eine Destination sei, in der man kein All Inclusive benötige, wo Frühstück ausreichend sei und man sich frei bewegen könne; ganz auf europäischen Standard inklusive zertifizierter Covid-19 Maßnahmen. Ein Ort zum Erholen und Spaß haben. Ist die Beratung beendet, gehen die Kunden nach Hause und präsentieren ihr persönliches Angebot den „heimischen Reiseexperten“ wie Freunden und Verwandten. Zurück zum Begriff Unwissenheit, der jetzt wieder ins Spiel kommt. „Bleib‘ besser im Hotel, da ist es sauberer und das Essen ist besser, ist hygienischer. Ägypten, oha ist das denn überhaupt sicher?“.

Der Kunde findet den Weg zurück ins Reisebüro und lässt sich erneut beraten, oft solange bis der „heimische Reiseexperte“ sein OK gibt. Und was hat das Reisebüro bis dahin verdient? Überraschung: Gar nichts!

Was das mit Corona zu tun hat? Einiges. Denn durch die Krise sind sogar die bereits verkauften Leistungen nicht erbracht worden, Reisen wurden storniert, das Reisebüro hat leere Kassen. Hier muss sich ganz schnell etwas tun. Um es noch genauer aufzuspalten, nehmen wir das Beispiel einer Reise für 1000€ bei 10% Provision. 100 € bleiben im Reisebüro 900€ gehen an den Reiseveranstalter

Ähnlich ist es auch mit den Reisen während der letzten Jahre geworden – reine Wühltischware. Nur um das Reisen für jedermann attraktiv zu machen. Keine Grenzen aufgrund von Kosten zu setzen.

Zu was aber hat das geführt? Zu Niedriglöhnen in den Zielgebieten, zu einem Aussterben von Geschäften vor Ort, zu Hauptsache billig.  Und warum? Nehmen wir das von den deutschen Gästen favorisierte All inclusive Konzept als Beispiel. Ein Konzept, um die Leute schön im Hotel festzuhalten, damit sie hier ihren Umsatz machen und nicht außerhalb. Das freut den Hotelier/Veranstalter, aber nicht die Geschäfte drum herum.  Führen wir das fort am Beispiel El Gouna/Ägypten.

Der echte Reiseprofi berät seine Kunden, wie schön es vor Ort ist, dass es eine Destination sei, in der man kein All Inclusive benötige, wo Frühstück ausreichend sei und man sich frei bewegen könne; ganz auf europäischen Standard inklusive zertifizierter Covid-19 Maßnahmen. Ein Ort zum Erholen und Spaß haben. Ist die Beratung beendet, gehen die Kunden nach Hause und präsentieren ihr persönliches Angebot den „heimischen Reiseexperten“ wie Freunden und Verwandten. Zurück zum Begriff Unwissenheit, der jetzt wieder ins Spiel kommt. „Bleib‘ besser im Hotel, da ist es sauberer und das Essen ist besser, ist hygienischer. Ägypten, oha ist das denn überhaupt sicher?“.

Der Kunde findet den Weg zurück ins Reisebüro und lässt sich erneut beraten, oft solange bis der „heimische Reiseexperte“ sein OK gibt. Und was hat das Reisebüro bis dahin verdient? Überraschung: Gar nichts!

Was das mit Corona zu tun hat? Einiges. Denn durch die Krise sind sogar die bereits verkauften Leistungen nicht erbracht worden, Reisen wurden storniert, das Reisebüro hat leere Kassen. Hier muss sich ganz schnell etwas tun. Um es noch genauer aufzuspalten, nehmen wir das Beispiel einer Reise für 1000€ bei 10% Provision. 100 € bleiben im Reisebüro 900€ gehen an den Reiseveranstalter

Jetzt fragt der Kunde nach einem Rabatt von 3% (das ist nicht selten). 900€ gehen weiterhin an den Reiseveranstalter, das Reisebüro aber schenkt dem Kunden 30€ von den ursprünglich 100€. Bleiben also 70€ übrig. Jede Art von Prozenten machen die Wirtschaftlichkeit des Reisebüros schlechter. Zwischen 5-13% durchschnittlich verdient ein Reisebüro an einer Reise (je nach Anbieter) und wenn hier noch ein Reisebüro Prozente an die Kunden weitergibt, dann kann man das aus Wettbewerbsgründen vielleicht nachvollziehen, in Betriebswirtschaft hat die Person aber wohl nicht aufgepasst. Hiesige Plattformen wie Holidaycheck oder Ab-in-Urlaub sind ganz Große im Werben von Rabatten. Deren Serviceleistung ist aber auch nahezu nicht existent. Dort gebucht und Probleme gehabt? Ich wette, die Erfahrung war heiter bis wolkig. Denn oft landen diese „Online-Kunden“ dann final doch im Reisebüro und wundern sich dann, wenn der Reiseprofi nicht helfen kann oder ein Serviceentgelt verlangt.

Puh, das war viel Input und ein langer Text. Was ich im Ganzen sagen möchte: Wir sollten die Coronakrise sinnvoll nutzen, ob auf Reiseveranstalter-, Kunden- oder Reisebüroseite. Ich weiß, wie schwierig alles ist. Ich bin mitten drin. Und leide mit.

Nutzen wir also gemeinsam die Chance auf einen Neustart. Zusammen denken, zusammen lenken. Lasst uns den Dialog wiederfinden und uns auf Augenhöhe begegnen. Social Media kann da helfen. Austausch kann helfen. Neue Vertriebswege und Mut können helfen. Wagt den Schritt nach vorne, denn eine Veränderung kommt nur dann, wenn man auf sie zugeht. Und wenn ihr nicht wisst wie, lasst euch von Menschen beraten, die es wissen. Brecht aus, aus den alten Strukturen und vertraut in die Zukunft.

In diesem Sinne, bleibt gesund. Der Tobi.

Jetzt fragt der Kunde nach einem Rabatt von 3% (das ist nicht selten). 900€ gehen weiterhin an den Reiseveranstalter, das Reisebüro aber schenkt dem Kunden 30€ von den ursprünglich 100€. Bleiben also 70€ übrig. Jede Art von Prozenten machen die Wirtschaftlichkeit des Reisebüros schlechter. Zwischen 5-13% durchschnittlich verdient ein Reisebüro an einer Reise (je nach Anbieter) und wenn hier noch ein Reisebüro Prozente an die Kunden weitergibt, dann kann man das aus Wettbewerbsgründen vielleicht nachvollziehen, in Betriebswirtschaft hat die Person aber wohl nicht aufgepasst. Hiesige Plattformen wie Holidaycheck oder Ab-in-Urlaub sind ganz Große im Werben von Rabatten. Deren Serviceleistung ist aber auch nahezu nicht existent. Dort gebucht und Probleme gehabt? Ich wette, die Erfahrung war heiter bis wolkig. Denn oft landen diese „Online-Kunden“ dann final doch im Reisebüro und wundern sich dann, wenn der Reiseprofi nicht helfen kann oder ein Serviceentgelt verlangt.

Puh, das war viel Input und ein langer Text. Was ich im Ganzen sagen möchte: Wir sollten die Coronakrise sinnvoll nutzen, ob auf Reiseveranstalter-, Kunden- oder Reisebüroseite. Ich weiß, wie schwierig alles ist. Ich bin mitten drin. Und leide mit.

Nutzen wir also gemeinsam die Chance auf einen Neustart. Zusammen denken, zusammen lenken. Lasst uns den Dialog wiederfinden und uns auf Augenhöhe begegnen. Social Media kann da helfen. Austausch kann helfen. Neue Vertriebswege und Mut können helfen. Wagt den Schritt nach vorne, denn eine Veränderung kommt nur dann, wenn man auf sie zugeht. Und wenn ihr nicht wisst wie, lasst euch von Menschen beraten, die es wissen. Brecht aus, aus den alten Strukturen und vertraut in die Zukunft.

In diesem Sinne, bleibt gesund. Der Tobi.

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