9. April 2026
Lynn
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1 Job. 1 Person. 40 Stunden. Diese Rechnung hält sich ungefähr genauso hartnäckig wie der Glaube, Excel sei ein gutes Projektmanagement-Tool. Dabei sieht die Realität längst anders aus: Menschen teilen sich Jobs, haben flexible Arbeitszeitmodelle, kombinieren mehrere Tätigkeiten und nein, das artet nicht in Chaos aus oder ist „New-Work-Gedöns“. Es ist viel mehr eine Antwort auf einen Arbeitsmarkt und Lebensrealitäten, die sich schneller verändern, als wir Stellenbeschreibung sagen können.
In dieser Miniserie werfen wir einen Blick auf Arbeitsmodelle, die nicht in klassische Schubladen passen, aber zunehmend an Bedeutung gewinnen. Den Anfang hat das Jobsharing gemacht. Ein Modell, welches Verantwortung aufteilt und Wissen bündelt. In diesem Teil geht es nun um Multijobbing und konkrete Umsetzungsideen für beide Arbeitsmodelle.
Multijobbing: 2 Jobs, 1 Person
Geteilte Zeit, gebündelte Kompetenzen
Multijobbing beschreibt die Situation, in der eine Person gleichzeitig in mehreren Anstellungsverhältnissen tätig ist, meist bei verschiedenen Arbeitgebern. Dies kann ganz unterschiedliche Gründe haben.
Exkurs: Natürlich muss man an dieser Stelle auch einmal ganz kritisch sagen, dass es Menschen gibt, die nicht das Privileg haben, in zwei Jobs arbeiten zu dürfen, sondern es müssen. Die harte Realität ist: Nicht immer reicht ein Job, um über die Runden zu kommen und manche müssen deshalb mehrere Jobs jonglieren. Darüber hinaus hat man auch nicht immer die Auswahlmöglichkeiten zwischen zwei oder mehreren Jobs, die auch noch Freude bringen. Denn trotz Fachkräftemangel und offenen Ausbildungsstellen gibt es genug Arbeitnehmer*innen, insbesondere aus akademischen Kreisen, die Schwierigkeiten haben, eine passende Stelle zu finden. Das ist jedoch eine andere Baustelle…
Ist man allerdings in der privilegierten Position, zwei Jobs zu haben, weil man Freude an der Abwechslung hat, profitiert man nicht nur selbst davon, sondern auch im Idealfall die Unternehmen. So wie es Persönlichkeiten gibt, die Lohnarbeit als Mittel zum Zweck sehen und auch kein Problem damit haben, sich wiederholende Tätigkeiten auszuführen, suchen andere gezielt nach der Abwechslung. Diese lässt sich bei unterschiedlichen Arbeitgeber*innen finden.
Diese können sich zwar inhaltlich und strukturell unterscheiden, dennoch findet auch immer ein Wissenstransfer statt, von dem beide Unternehmen profitieren können. Lernt die*der Mitarbeitende in Unternehmen A etwa eine neue Methode oder ein neues Tool kennen, kann auch Unternehmen B Nutzen daraus ziehen.
Bei Mitarbeitenden kann dieses Arbeitsmodell zu mehr Zufriedenheit führen, denn Ressourcen werden voll ausgeschöpft, man kann sich in verschiedenen Kontexten ausprobieren, Neues lernen und hat je nach Vereinbarungen mit den Arbeitgeber*innen auch eine höhere Flexibilität. All das kann die Qualität der Work-Life-Balance steigern.
Für mich hat das Multijobbing den Vorteil, dass ich in dem einen Job vor allem im Büro bin und im anderen Remote arbeite. Diese Abwechslung zwischen Menschen um mich herum und fokussierte Arbeit sowie unterschiedlichen Arbeitskontexten tut mir gut. Gleichermaßen ist aber auch die Umstellung und Abgrenzung von beiden Jobs manchmal eine Herausforderung.
Von Job A zu Job B zu switchen erfordert die Fähigkeit, gut abschalten und sich abgrenzen zu können. Darüber hinaus ist es schwieriger, Urlaubstage und Zeit zur Erholung zu koordinieren. Es kann so schneller zu einem Gefühl der Überforderung oder gar Überlastung kommen. Eine offene Kommunikation und klare Rahmensetzungen mit und bei beiden Arbeitgeber*innen kann dem aber vorbeugen.
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Multijobbing braucht Klarheit, Vertrauen und gute Rahmenbedingungen
Multijobbing ist kein Selbstläufer und auch kein Modell für jede Lebensphase oder jede Person. Richtig gestaltet kann es jedoch zu mehr Zufriedenheit, Lernmöglichkeiten und einem wertvollen Wissenstransfer führen – für Mitarbeitende ebenso wie für Unternehmen.
Gerade in einer Arbeitswelt, die von Veränderung geprägt ist, zeigt Multijobbing, dass Arbeit nicht eindimensional gedacht werden muss. Unterschiedliche Rollen, Kontexte und Aufgaben können dazu beitragen, Potenziale besser auszuschöpfen und starre Strukturen aufzubrechen.
Voraussetzung dafür sind klare Absprachen, offene Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen. Dann kann Multijobbing mehr sein als ein organisatorischer Spagat, nämlich ein bewusst gewähltes Arbeitsmodell, das Vielfalt zulässt und Entwicklung ermöglicht.
Weichen stellen für die Zukunft - Was Unternehmen machen können (ohne Buzzword-Bingo)
Offen zu sein für neue Arbeitsmodelle darf keine leere Phrase bleiben, sondern braucht konkrete Ansätze für die Umsetzung. Flexibilität klingt gut in Jobausschreibungen, zeigt ihren Wert aber erst dann, wenn sie im Arbeitsalltag tatsächlich gelebt wird. Das bedeutet, Vertrauen in die Mitarbeitenden zu haben und ihnen die Freiheit geben, die sie brauchen, um sich entweder einen Job zu teilen oder noch in einem anderen Unternehmen arbeiten zu können.
Was es zum Gelingen von flexiblen Arbeitsmodellen braucht:
Verantwortlichkeiten müssen klar benannt werden
Micromanagement führt zu nichts außer Frustration
Beide Seiten müssen Vertrauen ineinander haben
Offene und ehrliche Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg
Mut zum Testen
Eins für alle? Passt nicht!
Menschen sind keine Bausteine, die man nach Belieben in Formen pressen kann. Gute Arbeit entsteht erst durch passende Modelle, sei es Jobsharing, Multijobbing, Teilzeit oder Remote Arbeiten, you name it. Nicht jede Rolle in einem Unternehmen benötigt dieselbe Arbeitsform und gleichzeitig passt nicht zu jeder Person dasselbe Arbeitsmodell. Das kann einerseits ein echter Gewinn für Arbeitgeber*innen sein und andererseits eine große Entlastung für Arbeitnehmer*innen.
Das Ausprobieren von neuen Arbeitsmodellen ist natürlich auch immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Aber nur durch ausprobieren lernt und wächst man und schafft ein Arbeitsumfeld, welches für möglichst viele Menschen in all ihren Facetten passt. In diesem Sinne laden wir euch zum mutigen Umdenken, Ausprobieren und Weiterentwickeln ein.
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